Rezitator

Der Liebe Lust und Leid

 

Ein Goethe-Abend im Hoftheater zu Scherzheim
am 24. Juli 1999, Beginn 19.00 Uhr, Ende gegen 21.30 Uhr

Regie: Jürgen Schwarz

 

Programm

 

01. Happy birthday to you (Lied)

02. Der Sänger (Ballade)

03. Begrüßung und Vorstellung der Gäste

04. Gedichte sind gemalte Fensterscheiben (Gedicht)

05. Freudvoll und leidvoll (Gedicht)

06. Annette an ihren Geliebten (Gedicht)

07. Das Schreien (Gedicht)

08. Sah ein Knab' ein Röslein stehn (Lied)

09. Willkommen und Abschied (Gedicht)

10. Mailied (Gedicht)

11. Lass mich ... (Lied)

12. Der Totentanz (Ballade)

13. Klage der Friederike (Monolog)

 

Pause

 

14. Im Felde schleich ich still und wild (Lied)

15. Auf dem See (Gedicht)

16. An den Mond (Gedicht)

17. Charlotte ... (Lied)

18. Streitgespräch im Hause Stein

19. Der Fischer (Ballade)

20. Seemärchen (Gedicht)

21. Es war ein König in Thule (Lied)

22. Interview mit dem Geheimrat Goethe

23. Erlkönig (Lied)

24. Wandrers Nachtlied 1 (Gedicht)

25. Wandrers Nachtlied 2 (Lied)

 

 

Personen

 

Rezitator und Sprecher: Jürgen Schwarz (2. v. r.)

Klavier: Elke Haag (4. v. r.)

Redwiners: Elke und Wolfgang Haag, Traudel und Karl-Friedrich Wahl

J. W. v. Goethe: Frohmut Menze (4. v. l.)

Friederike Brion: Gabi Klein (1. v. r.)

Christiane Vulpius: Lilith Menze (1. v. l.)

Charlotte von Stein: Hertha Beuschel-Menze (2. v. l.)

Fanfare: Markus Wagener (nicht auf dem Bild)

 

Anschließend italienisches Abendessen in der "Blume" in Scherzheim

(Rezensionen dieses Abends sind in der linken Spalte unter “Bad. Tagblatt” und “Acher Bote” abrufbar.)


 

Balladenabend

 

Ein poetischer Abend im Kurbad Jungborn zu Kassel
am 17. März 2012, Beginn 19.30 Uhr
mit Jürgen Schwarz und Günter Wagner

 

Programm

 

01. Volkslied: Guten Abend

02. Goethe: Der König in Thule

03. Goethe: Der Sänger

04. Goethe: Der Fischer

05. Keller: Seemärchen

06. Goethe: Der Zauberlehrling

07. Goethe: Der Erlkönig

08. Goethe: Totentanz

 

Pause

 

09. Hofmannsthal: Ballade des äußeren Lebens

10. Meyer: Möwenflug

11. Rilke: Der Panther

12. Meyer: Zwei Segel

13. Brecht: Hanna Cash

14. Goethe: Heidenröslein und Gefunden

15. Hofmannsthal: Die Beiden

16. Wedekind: Brigitte B.

 

 

(Eine Rezension dieses Abends ist in der linken Spalte unter “MyHeimat FKB” abrufbar.)


 

 

 

 

 

 

    “Du musst das Leben nicht verstehen.”

     

    Jürgen Schwarz

    über Erfahrungen und Einsichten

    von Rainer Maria Rilke

     

    Kurbad Jungborn

    Sternstr. 20

    34123 Kassel

    10.12.2017 - 16.00 Uhr

 

 

Rainer Maria Rilke: „Du musst das Leben nicht verstehen“

oder

Loriots Kaffeestunde mit Diplompsychologin Frau Tietze

Kassel 10.12.2017

 

„Wagners Kaffeestunde“ 2017 im Kurbad Jungborn in Kassel. Jürgen Schwarz will seine Sicht zum Dichter Rainer Maria Rilke vortragen. Im Turm ein kleiner Raum, mit Elektro-Radiatoren beheizt. Fast wie in einem kleinen Theater. Ein schmaler Teil des Raumes als Bühne, davor eine enge Bestuhlung mit Tischchen für Kaffee und Kuchen. Man ist sich ganz nahe, der Mime hinten vor der Rückwand und das Publikum vorne an der Treppe.

In einem richtigen Theater ist es normalerweise so: Der Raum ist dunkel, nur die Bühne erleuchtet. Das Publikum sieht den Schauspieler, der sieht aber nicht das Publikum. „Die im Dunkeln sieht man nicht.“

Hier ist es anders. Jeder sieht jeden. Das ist für den vorne Agierenden von großem Vorteil. Er kann sofort sehen, wie das, was er vorträgt, auf die Zuschauer wirkt. Und das ist recht unterschiedlich.

Der eine sitzt da, in sich versunken, die Augen geschlossen, den Kopf leicht zur Seite geneigt, vielleicht schläft er schon.

Der andere hört genau zu, zieht manchmal seine Stirn in Falten, wendet sich dann und wann mit schmerzverzerrtem Gesicht ab. Er fühlt sich nicht wohl. Was der da vorne sagt, gefällt ihm nicht.

Die dritte, eine Frau, unterbricht den Redner mit wortgewandten Einwürfen. Der weist z. B. auf ein Rilke-Bild hin und bemerkt, dass der auf dem Bild dargestellte hohläugige Dichter recht traurig aussieht. Sie wirft dann ein: „Ja, das ist bei der Malerin (gemeint ist Paula Modersohn-Becker) immer so, ihre Menschen lachen nie. Vielleicht war sie selbst immer so traurig.“ Oder: Den Hinweis, Rilke habe fast alle Länder Europas bereist, bereichert sie mit der Bemerkung: „Er war auch mehrfach mit seiner Frau bei der Gräfin Luise von Schwerin auf Schloss Friedelhausen bei Lollar.“ Komik wie in Loriots „Ödipussi“: „Wo ist denn der Prospekt für die dänische Kombiserie Trulleberg?“

Die vierte, ebenfalls eine Frau, spricht die Gedichte, die der Sprecher vorträgt, leise, aber vernehmlich mit. Sie will damit wohl zeigen, dass sie ebenfalls sehr belesen ist und dass es keine besondere Leistung ist, ein Gedicht auswendig vorzutragen. Das könne sie auch.

Und dann ist da noch eine Frau, die offen protestiert, wenn der Redner seine Kritik an dem literarisch bedeutsamen Poeten vorträgt. „Wie kann man nur einem genialen Dichter den moralischen Vorwurf machen, Frau und Kind verlassen zu haben. Moral und Kunst - das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die moralische Überheblichkeit mancher Zeitgenossen berührt den Künstler überhaupt nicht!“ Diese Besucherin ist maßlos enttäuscht. Sie verlässt am Ende der Veranstaltung gruß- und wortlos den Raum.

Das alles muss der Vortragende hinnehmen und darf sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Natürlich hätte er wie Peter Handke zur „Publikumsbeschimpfung“ übergehen können, oder er hätte wie Klaus Kinski einen Leuchter ergreifen und ins Publikum schleudern können. Aber da wir auf Weihnachten, das Fest des Friedens zugehen, hat er darauf verzichtet und sich beherrscht.

Insgesamt eine nachdenklich machende Erfahrung!


 

Aus einem Brief vom 15.06.2019 an eine ehemalige Schülerin, die sich in ihren literarischen Werken auch mit Rilke beschäftigt hat:

 

Meine Einstellung zu Rilke ist differenziert:

1.

Rilke ist ein Sprachkünstler. Seine Sprache hat mich immer gefesselt und innerlich berührt. Diese Ergriffenheit wollte ich einmal an eine Schulklasse weitergeben: 12. Klasse, vorwiegend Mädchen, denen ich Einfühlungsvermögen zutraute. Der Klassenraum wurde völlig verdunkelt, eine Kerze angezündet, die Schüler ließen sich auf dem Teppichboden nieder. Absolute Stille. Müdigkeit einer Truppe nach endlosem Pferderitt durch die Steppe. Ich las den „Cornet“ vor und erwartete Ergriffensein, Mitleid, Tränen. „Dort hat er eine alte Frau weinen sehen.“ Aber nichts geschah. Die Schüler waren gelangweilt, das war nicht ihre Welt, nicht ihre Sprache. Meine Enttäuschung war groß.

2.

Bei aller Bewunderung Rilkes habe ich allerdings auch manchmal gefühlt, dass er sprachliche Schwächen hatte, worauf mich insbesondere die Biografie Rilkes „Überzähliges Dasein“ von Fritz J. Raddatz hingewiesen hat, wenn er das Verhalten Rilkes im Schweizer Wallis beschreibt:

Die Briefe sind von damenhafter Manieriertheit; Rilke muss diesen Stil für vornehm gehalten haben, sie sind jedoch nur geziert: „Die wunderbaren Kamelhaarsocken! Auch ich fürchtete, im ersten Ansehen, dass sie zu weit sein würden; aber nein. Diese stärkere Wolle trägt auf, ist aber dafür so schmiegsam, dass sie sich dem Fuß ganz anlegt und sich dann gleichsam, ihn adoptierend, zu seiner Form entschließt. Was sind doch gute Dinge in allen Gattungen für ein Entzücken. Welche Befriedigung theilen sie mit, welche Erziehung zum Echtsein und, schon wieder weiter, welcher Lohn dafür, dass man sie begreift, geht von ihnen aus!“

3.

Rilke war ein Mensch, der sich durch Gönner, insbesondere Frauen, aushalten ließ. Noch einmal Raddatz:

Der herrliche Dichter ist auch ein herrischer Schnorrer; gar zierlich zwischen Erdbeerkörbchen, Teetassen und Briefpapiersorgen tänzelnd. Er bestellt bestimmte Seifensorten ("Roger et Gallet, Bois de Santal"), bezogene Knöpfe ("ich bin in äußerster Knopfnoth") oder Gamaschen mit peinlich-sorgsamer Angabe des Farbtons - als seien die Familien Volkart-Wunderly-Reinhart Zulieferer, fast Domestiken. Selbst das Engagement eines Dienstmädchens wird mit pingeliger Herrschaftlichkeit betrieben - er wünscht, da mit literarischen Arbeiten beschäftigt, "nicht durch Fragen gestört zu werden", also eine schweigsame "Gehülfin" stiller Anpassung, wobei er sich fragt, ob die junge Dame gewachsen ist in der "Pflege der von mir angelegten Rosenpflanzungen“.

 

 

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